Carl Adolph von Schachmann
Wer heute auf dem Hochstein steht, steht in einer Landschaft, die vor rund 250 Jahren schon einmal sehr genau angesehen wurde. Der Königshainer Gutsherr Carl Adolph Gottlob von Schachmann (1725–1789) hat diese Felsen gezeichnet, untersucht und beschrieben – lange bevor irgendwer das Wort Denkmalpflege benutzte. Seinem Blick verdanken wir, dass wir wissen, wie der Kuckuckstein im Jahr 1780 aussah.

Warum das hier steht
Diese Seite gehört eigentlich nicht zu einem Gasthof. Aber die Baude steht auf dem Felsen, den Schachmann gezeichnet hat, und die meisten Gäste laufen an drei seiner Motive vorbei, ohne es zu wissen. Ein paar Absätze Vorgeschichte machen den Weg hinauf zu einer anderen Wanderung.
Ein Aufklärer in der Oberlausitz
Schachmann stammte aus einer Familie, deren Geschichte bis in die Zeit der Hanse zurückreicht. Sie kam aus Danzig und legte ihr Geld später in schlesischen Gütern an. Geboren wurde er 1725 in Hermsdorf bei Görlitz.
Von 1743 bis 1748 studierte er in Leipzig und Halle: Rechtswissenschaften, daneben Philosophie und die Künste. Danach ging er zwei Jahre auf Bildungsreise, durch Deutschland, Frankreich und die Niederlande. Wer so unterwegs war, kam mit Fragen zurück.
1752 starb sein Vater und Schachmann übernahm das Rittergut Königshain. Von da an ist sein Leben mit diesem Dorf und diesen Bergen verbunden. 1764 trat er der Herrnhuter Brüdergemeine bei; im selben Jahr begann der Neubau des Schlosses, und zwischen 1765 und 1770 ließ er darum herum einen großen Naturgarten anlegen.
1779 nahm ihn die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften auf. 1785 zog er sich nach Herrnhut zurück, wo er am 28. Januar 1789 starb.

Die erste Beschreibung dieser Berge
1780 erschien das Buch, das Schachmann für unsere Gegend unersetzlich macht: „Beobachtungen über das Gebirge bey Koenigshain in der Oberlausitz“. Darin steht nebeneinander, was damals kaum jemand zusammen dachte – die Beschaffenheit des Granits, die Form der einzelnen Felsen, die Funde im Boden und die Geschichten, die im Dorf darüber erzählt wurden.
Am Totenstein fand er hunderte Keramikscherben und Gegenstände aus Bronze. Er deutete den Platz nicht als Friedhof, sondern als Ort, an dem zu bestimmten Zeiten des Jahres gefeiert wurde. 64 Jahre nach seiner Beschreibung stellte König Friedrich Wilhelm IV. die Felsgruppe 1844 als „Denkmal der Vorzeit“ unter Schutz – eines der ältesten Naturdenkmale Deutschlands.
Den Kuckuckstein beschrieb er als genau ausgerichteten Block. Dass um die Wintersonnenwende die Mittagssonne in seinem Sichtloch erscheint, wurde erst 2007 von Hilmar Hensel und Ralf Herold vermessen. Schachmanns Stich von 1780 zeigt den Felsen aber bereits in genau der Form, in der er heute dasteht.
Was er gesehen hat, können Sie nachsehen
Schachmann zeichnete selbst – Federzeichnungen, Radierungen, kolorierte Blätter. Es ist keine Kunst um ihrer selbst willen: die Blätter halten fest, wie ein Fels aussieht, von welcher Seite und in welchem Licht. Nehmen Sie sie mit auf die Wanderung und vergleichen Sie.





Münzen, Antiken und eine Sphinx im Wappen
Schachmann sammelte, und zwar geordnet: 1774 erschien sein Münzkatalog. Dazu kamen ägyptische Altertümer – im 18. Jahrhundert eine Seltenheit in der Oberlausitz. Das Schloss war damit auch ein Ort, an den man zum Ansehen und Nachfragen kam.
Das Ägyptische taucht in seinen Zeichnungen wieder auf: der Tempel von Luxor, und eine Sphinx. Auf diesem Blatt hält sie das Familienwappen – ein Schachbrett im Schild, passend zum Namen. Unten links steht seine Signatur: „Schachman delin.“, gezeichnet von Schachmann selbst.

Drei seiner Motive liegen fußläufig
Hochstein, Kuckuckstein und Totenstein liegen dicht beieinander und lassen sich in einer Wanderung verbinden. Der Kuckuckstein steht rund 300 Meter nördlich der Baude, vom Totenstein führen mehrere Rundwege herüber. Das Schloss finden Sie unten im Dorf, am Fuß des Berges.
Die Seite zum 300. Geburtstag
Zu seinem 300. Geburtstag im Jahr 2025 ist eine eigene Website entstanden: von-schachmann.de. Dort stehen Biographie, Zeichnungen und Forschungen ausführlich – und einiges, was es hier nicht gibt: der Kuckuckstein als begehbare Sternwarte mit Tag- und Nachtlauf, der Opfertisch als Modell im Maßstab eins zu eins, die Schachmannsäule als Rekonstruktion vor ihrem Verfall. Alles läuft im Browser, ohne dass etwas installiert werden muss.
- Biographie und Zeitleiste
- Zeichnungen und Grafiken
- Forschungen zu Totenstein und Kuckuckstein
- XR: Sternwarte, Opfertisch, Schachmannsäule
- Wanderkarte zu den Motiven
Einkehren, wo er gezeichnet hat
Nach der Runde über Kuckuckstein und Totenstein steht die Baude auf demselben Felsen wie 1780. Die Küche kocht frisch, der Turm ist frei.